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"ES GEHT AUCH OHNE SUBVENTIONEN“

01/08/2016

THB Täglicher Hafenbericht - Dienstleister des auf Madeira ansässigen portugiesischen Schiffsregisters MAR ist die von den deutschen Kaufleuten Dr. Albrecht Gundermann und Jörg Molzahn geführte Gesellschaft Euromar. Der THB sprach mit beiden.

THB: Herr Gundermann, Herr Molzahn, kann das portugiesische Register schon mit Liberia oder Panama mithalten? 

Albrecht Gundermann: Das ist eine etwas provokative Frage. Aber dafür kriegen Sie eine klare Antwort: Wenn es nach Quantität geht, wird Portugal mit seinen 400 Schiffen und 16 Millionen DWT noch eine Weile hinter Panama mit 8000 Schiffen und 350 Millionen DWT sowie Liberia mit 4000 Schiffen und 200 Millionen DWT hinterherlaufen.

Jörg Molzahn: In allen anderen Bereichen kann Panama schon aus heutiger Sicht nicht mehr mit Portugal mithalten: Service, Gesetzgebung, Ranking bei Hafenstaatkontrollen und so weiter. Panama zum Beispiel ist „targeted flag state“, also schwarz gelistet. Wie übrigens Malta, Antigua und Zypern ebenfalls. Portugal hingegen ist jetzt als Ergebnis der zweijährigen Arbeit mit den Portugiesen auf allen Listen von Hafenstaatkontrollen „weiß“. Und wir können auch sagen, dass Portugal in der Zukunft weiß gelistet bleiben wird.

Gundermann: Liberia kann qualitativ mithalten. Wie Sie wissen, haben wir und unsere Mannschaft die liberianische Flagge in Deutschland über Jahre aufgebaut und alle sehr gerne für den amerikanischen Dienstleister dieser Flagge gearbeitet. Aufgrund von einigen Innovationen in Portugal gehen wir aber davon aus, dass Portugal Ende des Jahres auch im Vergleich mit Liberia die Nase vorn haben wird. Und Größe ist ja auch nicht alles.

THB: Kann das portugiesische Register auch mit Lohnsteuereinbehalt locken?

Molzahn: Lohnsteuereinbehalt gibt es nur bei der deutschen Flagge. Portugal hat in den vergangenen zwei Jahren 280 Handelsschiffe und 14 Millionen DWT dazugewinnen können, ohne Subventionen zu gewähren. Auch wäre das Land aufgrund der schwierigen Haushaltslage überfordert mit besonderen Subventionen für die Schifffahrt. Es geht ja auch ohne.

THB: Womit können Sie denn sonst locken? Wie sieht es aus mit Vorgaben zur Schiffsbesetzung?

Molzahn: Schiffe unter der Flagge Portugals müssen ähnlich besetzt sein, wie es unter den anderen EU-Flaggen der Fall ist, sofern man auf die Besatzungsanzahl schaut. Mindestens 30 Prozent der Mindestbesatzung – also des „Safe Manning“ – müssen europäische Seeleute sein. Wenn der Arbeitsmarkt dies jedoch nicht hergibt, ist unter bestimmten Umständen eine zeitlich befristete Befreiung möglich. Übrigens: Die Anzahl der Schiffe mit einem ITF-Vertrag hat sich erhöht. Und zwar durch Schiffe, welche vorher kein ITF-Cover hatten – auch nicht bei ver.di.

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